Erich Dilsky und Heinz-Hermann Lückert

Die Wasserspinne vom Hemelsmoor - "Blickwechsel" bei der NABU Umweltpyramide am 23.08.2017

An einem der wenigen Sommertage im August sind wir um 9.30 Uhr bei strahlend blauem Himmel mit Dr. Hans-Bert Schikora von der Ökologischen Station Oste-Region verabredet. Mit dabei ist auch die Biologie-Studentin Jolina. Bereits am vereinbarten Treffpunkt am Rande des Hemelsmoor, an der Straße zwischen Steinfeld und Brüttendorf, erfahren wir die unglaublich spannenden und komplexen Zusammenhänge, welche uns am heutigen Tage erwarten werden. Ausgerüstet mit Gummistiefeln, Proviant und diversen Gerätschaften tauchen wir in eine Landschaft ein, welche wir am Abend mit ganz anderen Augen betrachten.

Auf dem Weg des nicht einfach zu gehenden Geländes erkennen wir bereits das umfangreiche Wissen von Dr. Schikora. Jeden Vogel erkennt er bereits am Geräusch. Die unterschiedlichen Gräser und ihre Eigenarten, bzw. Überlebensstrategien, kann er nicht nur bestimmen, sondern auch lesen. So sind bestimmte Pflanzen Indikatoren für intakte bzw. nicht intakte Moore.  Andere Pflanzen werden vom Moor verdrängt.

Ein weiteres Fachgebiet sind Webspinnen. Auf diese Weise konnten wir Begegnungen mit Baldachinspinnen und Wespenspinnen und ihre unterschiedlichen Fangmethoden erleben. Wie faszinierend diese Lebewesen sind, wird uns deutlich bei der Fadenproduktion der Tiere. Dabei laufen – für uns unsichtbar - hochkomplexe chemischen Prozesse ab.

Voller Informationen stehen wir plötzlich vor einem faszinierenden Anblick. Ein echtes, intaktes und wachsendes Moor mit typischem Bewuchs an Moosen und Gräsern wie z.B. das Scheidige Wollgras. In diesem Bereich hat eindeutig das Moos die Herrschaft übernommen.

Ein Höhepunkt ist die Analyse einer Bodenprobe. Bei 1 Meter Material blicken wir auf rund 1.000 Jahre Entwicklung eines Moores. Das Wachstum von Mooren liegt bei 1 Millimeter pro Jahr. Da steht man doch ehrfürchtig davor. Anschließend können wir bei einem vorsichtigen Rundgang den schwimmenden Boden unter unseren Füßen spüren. Nach einer Pause und netten Gesprächen zwischen Gagelstrauch und Besenheide unter einer Kiefer führen wir GPS gesteuert noch 10 Tiefenmessungen durch.


Auf dem Rückweg an einem offenen Gewässer können wir mit einer listigen Methode erstmalig die Wasserspinne im Hemelsmoor nachweisen. Es ist die einzige bedrohte Spinnenart, die im Wasser lebt. Dafür hat sie Strategien entwickelt, welche uns nur staunen lassen.


Wir sind dankbar für diesen sehr intensiven Tag. Dr. Schikora versteht es ausgezeichnet, wohl dosiert und anschaulich unsere Augen für unsere Umwelt und ihre Zusammenhänge zu öffnen. Das Hochmoor, bzw. Regenwassermoor ist eine von Menschenhand unbeeinflusste Landschaft - und damit ein Refugium für einige faszinierende Pflanzen- und Tierarten. Außerdem erfüllen die Moore eine gewichtige Aufgabe beim Klimaschutz. Moore machen nur drei Prozent der weltweiten Landfläche aus, speichern aber doppelt so viel Kohlenstoffdioxid wie alle Wälder der Erde zusammen.


Heinz Hermann Lückert
Erich Dilsky
August 2017