Beatrix Lehnhof

Mein Besuch bei der Achimer Tafel e.V. im Rahmen des Blickwechsels

Vom 14.08.2017 bis 16.08.2017 habe ich mir einen sehr nachhaltigen Eindruck bei der Achimer Tafel e. V. verschafft, die mit einem mittleren Unternehmen vergleichbar ist. Er hat mich hinsichtlich meiner Gedanken und Emotionen sehr zwiegespalten werden lassen.

Auf der einen Seite ist es sehr traurig, dass es in der heutigen Zeit diese Einrichtung geben muss, auf der anderen Seite ist es schön, dass es sie gibt.

Menschen, die aus welchen Gründen auch immer den Weg dort hin wählen, haben hier die Möglichkeit, zwei Mal in der Woche Lebensmittel gegen einen Obolus von 1,00 Euro für Erwachsene bzw. 0,50 Euro für Kinder zu erwerben.

Dieser Verein besteht aus ca. 100 ehrenamtlichen Mitgliedern, die überwiegend der Generation 60 plus angehören. Diese stehen im Wechsel von Montag bis Freitag zur Verfügung um Lebensmittel, wie Obst, Gemüse, Brot, Tiefkühlkost und auch Süßigkeiten in Empfang zu nehmen und zu sortieren. Die Lebensmittel kommen z.B. von den umliegenden SB-Märkten, Bäckerein etc. mit denen ein Abnahmevertrag geschlossen wurde. Leider werden nicht nur Waren abgeliefert, bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist, sondern auch regelrecht verschimmelte und vergammelte Ware; hauptsächlich Obst und Gemüse. Ich habe mich gefragt, ob hier vielleicht eine Verwechslung mit der Müllentsorgung vorliegen könnte. Für die Helfer ist es fast unzumutbar, diese Ware so zu sortieren. Dennoch war ich über die doch überwiegend gute Qualität erfreut. Aussortiert wird nach dem Motto: “Was du selber noch essen würdest“. So habe auch ich 3 Tage an den Tischen gestanden und Obst und Gemüse sortiert. Ich habe große Achtung vor den Mitarbeiter/Innen die sich dieser Aufgabe aus freien Stück stellen, Kisten schleppen und den teilweise modrigen Geruch Tag für Tag auf sich nehmen. Erwähnen möchte ich unbedingt, dass die Mitarbeiter/Innen ein super tolles Team darstellen. Ich bin dort sehr freundlich aufgenommen worden.

An einem Tag habe ich der Lebensmittel-Ausgabe beigewohnt und teilweise mitgewirkt. Mir war schon ein wenig mulmig, da ich nicht wusste, was auf mich zu kommen würde. Dementsprechend
respektvoll habe ich hinter dem Ausgabetisch gestanden. Als dann die Tür geöffnet wurde und die Menschen herein kamen habe ich viele unterschiedliche Personen gesehen. Angefangen von den diversen Nationalitäten bis hin zu kranken Menschen, alten Menschen und auch Kindern, die schon viele Jahre dort ihre Lebensmittel erwerben müssen.

Sehr positiv überrascht war ich, dass alle Erwerber sehr freundlich und dankbar waren. Wie mir einige Helfer/Innen erzählten, war dies nicht immer so. So manches Mal mussten sie schon sehr deutlich werden, dass gewisse negative Verhaltensweise nicht erwünscht sind.

Leider wird die Dunkelziffer derer, die aus Peinlichkeit nicht zur Tafel gehen möchten, recht hoch eingeschätzt. Hier sollte mal genauer hingesehen werden. Vielleicht kann man den ein oder anderen an die Hand nehmen und mit ihm gemeinsam den Weg gehen.

Mein persönliches Fazit aus diesen drei Tagen: WAS GEHT ES MIR DOCH GUT!!!! Ich hoffe, dass mich nicht irgendwann ein Schicksalsschlag trifft, dass auch ich in diese Notlage käme. Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass man mich ebenfalls an die Hand nehmen müsste. Und eins ist gewiss...es kann jeden von uns treffen! Mit diesem Fazit bin ich nach Hause gefahren; nachdenklich und emotional ergriffen.