Ute Jentsch

„Blickwechsel“ bei K+S Seniorenresidenz Sottrum vom 25. - 27.04.2017

In der Zeit vom 25. bis zum 27. April 2017 nahm ich zusammen mit meiner Kollegin Annelie Biederstaedt an dem Projekt „Blickwechsel“ teil.

Als die tolle Idee von der Aktion Blickwechsel bekannt wurde, war ich sehr begeistert und sagte spontan meine Teilnahme zu. Ausschlaggebend war meine persönliche Situation. Mein Mann und ich pflegen zuhause meine Schwiegermutter. Es ist nicht immer leicht, die Pflege und Fürsorge in unseren Arbeitsalltag zu integrieren. Manchmal fällt es schon schwer, dem hohen Anspruch in der häuslichen Pflege gerecht zu werden und sich jeden Tag diesen Herausforderungen zu stellen.

Meine Kollegin und ich wurden am ersten Tag von Herrn Buchholz (Regionalleiter), Herrn Wekel (Residenzleitung) und Frau Gonscherowski (stellvertr. Pflegedienstleitung) sehr herzlich begrüßt. Sie informierten uns über den Ablauf der nächsten drei Tage und so bekamen wir einen kurzen Einblick über das, was uns erwartete.

Ich durfte am ersten Tag in die Ergotherapie. Dort begleitete ich die Ergotherapeutin Jessica zu ihren verschiedenen Einsätzen. Als erstes besuchten wir einen Bewohner, der aufgrund einer Krankheit im Rollstuhl saß. Er bekam von der Ergotherapeutin eine Massage der oberen Extremitäten, damit sich die Muskeln ein wenig lockern. Anschließend brachten wir ihn in den Vitalclub. Der Vitalclub ist ein großer, sonnendurchfluteter Raum, in dem seniorengerechte Fitnessgeräte stehen (also eine Muckibude :-)). Dort wurde der Bewohner an einen „Pedomaten“ gesetzt, das ist eine Art Ergometer, bei dem sich die Pedale automatisch in Bewegung setzen, ohne dass die Person durch eigene Muskelkraft selbst tätig werden muss.
Anschließend holten wir einen weiteren Bewohner aus seinem Zimmer ab, der ebenfalls im Vitalclub fleißig unter Anleitung trainierte.

Den Nachmittag konnte ich mit Paul (ebenfalls Ergotherapeut) verbringen. Er erzählte mir, dass in der Seniorenresidenz viele Gruppenangebote und Veranstaltungen statt finden. Unter anderem gibt es ein Gedächtnistraining, das sehr gut von den Bewohnern angenommen wird, ebenso die leichte Sitzgymnastik und das Bewegungstraining. Es gibt eine Singgruppe und einmal im Monat wird ein Aquarellmalkurs angeboten.
Am besten aber hat mit der Snoezelenraum gefallen. Das ist ein gemütlicher, warmer Raum, in dem verschiedene visuelle Effekte erzeugt werden. Dort kann man bequem liegend oder sitzend (hier: Massagesessel), umgeben von leisen Klängen und Melodien sehr gut entspannen und die Seele baumeln lassen. Dieser Raum soll Reize steuern und ordnen, Interesse wecken oder sogar Erinnerungen hervorrufen.

Mein zweiter Tag begann um 7:00 Uhr im Wohnbereich II. Dort nahm mich Bianca (Wohnbereichsleiterin) ebenfalls herzlich in Empfang. Im Wohnbereich II leben hauptsächlich an Demenz erkrankte Bewohner. Hier hatte ich die Gelegenheit, aktiv mitzuhelfen.
Die einzelnen Bewohner wurden geweckt, gewaschen oder geduscht. Bei diesen Verrichtungen habe ich mich aber zurückgezogen, um die Intimsphäre der Bewohner nicht zu verletzen. Während der Grundpflege habe ich in der Zwischenzeit die Betten ab- und wieder neu bezogen und die Wäsche sortiert. Danach habe ich die jeweiligen Bewohner gefragt, ob ich ihre Haare trocknen darf. Einer Dame gefiel wohl die anschließende Frisur nicht so ganz, sie frisierte sich eiligst um :-))
Später habe ich die Bewohner in den Frühstücksraum gefahren oder sie per Rollator begleitet. Dort waren die Alltagsbegleiter (zusätzl. Betreuungskräfte) schon damit beschäftigt, das Frühstück herzurichten. Ich habe dann mit ihnen zusammen das Frühstück an die Tische gebracht, Hilfestellung beim Trinken gegeben und das Essen zugereicht (= füttern). Dann brachte ich einige Bewohner per Rollstuhl oder Rollator mit dem Fahrstuhl in den Therapieraum, wo das Hirntraining statt fand. Zwischendurch konnte ich immer mal wieder einzelne Personen durch das Haus begleiten.
Das Mittagessen verlief ähnlich wie das Frühstück. Hier wurde die Nahrung teilweise püriert und auch zugereicht. Nachdem alle versorgt waren, hat man mir die Dokumentation gezeigt. Die Dokumentation ist ein Nachweis für alle Pflegeverrichtungen durch die Pflege(fach)kräfte. Hier wird schriftlich belegt, welche Pflegemaßnahmen bei den jeweiligen Bewohnern durchgeführt wurden, welche Medikamente verabreicht wurden, wie viel bei den Mahlzeiten getrunken wurde oder ob es Auffälligkeiten gab.
Diese Dokumentation ist gesetzlich vorgeschrieben, so dass sich hierdurch eine lückenlose Auflistung aller erbrachten Leistungen ergibt.

An meinem dritten Tag war Anna meine Ansprechpartnerin. Anna ist eine Pflegekraft, die sich zur Zeit in der Ausbildung zur Pflegefachkraft befindet. Mit ihr bin ich zu einer 96-jährigen Bewohnerin gegangen, die bettlägerig ist. Sie ist bewegungsunfähig und kann sich nicht artikulieren. Bei dieser Frau Martha (Name geändert) hat sich eine Pergamenthaut gebildet, die äußerst sensibel, selbst auf leichtem Druck, reagiert, daher ist allergrößte Vorsicht bei der Pflege angebracht. Anna hat die alte Dame sanft gewaschen, eingecremt und sie wieder in eine für sie angenehme Liegeposition gebracht. Dabei hat Anna immer wieder liebevoll und herzlich zu ihr gesprochen. Frühstücken wollte Martha nicht.
Den restlichen Vormittag verbrachte ich wie am Vortag und half den Bewohnern bei diversen Tätigkeiten. Mittags sind Anna und ich noch einmal zu Frau Martha gegangen, um ihr zuzureichen (= füttern). Das Essen war püriert und Frau Martha hat mit großem Appetit gegessen.

An all den Nachmittagen haben wir uns mit den Herren Buchholz und Wekel und Frau Gonscherowski zusammengesetzt, um den Tag Revue passieren zu lassen. Dort konnten wir berichten, was wir erlebt hatten, bekamen weitere Informationen und hatten die Gelegenheit, Fragen zu stellen, die uns geduldig beantwortet wurden.

Diese drei Tage haben meine Wahrnehmung über den Anspruch pflegebedürftiger Menschen gestärkt. Das allgemeine Verständnis und die aufmerksame Zuwendung wurden bei mir sensibilisiert und ich gehe ermutigt und auch ein wenig entspannter aus diesem Projekt, um mich den weiteren Anforderungen bei der Pflege meiner Schwiegermutter zu stellen.

Ich habe während dieser drei Tage sehr nette und engagierte Mitarbeiter und ganz liebenswerte Bewohner der K+S Seniorenresidenz kennenlernen dürfen und hatte die Gelegenheit, ein wenig über den Tellerrand zu schauen. Ich habe großen Respekt vor der geleisteten Arbeit der Pflegekräfte, mit welchem Elan und Motivation sie ihren Arbeitstag meistern. Trotz der allgemeinen täglichen Betriebsamkeit sind die Mitarbeiter freundlich und routiniert und haben immer ein offenes Ohr für die Belange und Bedürfnisse der Bewohner.

Ich bin sehr dankbar, dass ich am Projekt „Blickwechsel“ teilnehmen durfte.

Manche Begegnungen hinterlassen dauerhaften Nachklang im Herzen...

Annelie Biederstaedt und Ute Jentsch (r.) beim Blickwechsel. Bild-Quelle: Inken Quebe, Rotenburger Kreiszeitung