Manuela Bergmann

"Blickwechsel" bei der Achimer Tafel

Mit vielen Fragen im Kopf habe ich mich am 18.07.17 auf nach Achim gemacht:
-    Wie werde ich aufgenommen?
-    Wird es Berührungsängste geben?
-    Welche Aufgaben warten auf mich und was wird mir zugetraut?
-    Welche Menschen nehmen die Achimer Tafel in Anspruch?

Dort angekommen wurde ich von Frau Henschel (Lisa) sehr herzlich begrüßt. Das förmliche „Sie“ wurde schnell ad acta gelegt. Als Nächstes kam eine schnelle Vorstellungsrunde der anwesenden HelferInnen. Auch hier ausnahmslos ein toller Empfang.

Lisa nahm sich sehr viel Zeit, um mir alles zu erklären. Beeindruckt war ich von der Organisation, der es hier bedarf, um die Tafel am laufen zu halten. Faszinierend war es zu sehen, mit wieviel Engagement, Herzblut und Spaß alle hier tätig sind. Keine Frage von mir blieb unbeantwortet. Alle waren sehr hilfsbereit.

Meine Aufgabe für den Morgen bestand darin, die ankommende Lieferung an Obst und Gemüse auf Schadstellen zu sichten und ggf. auszusortieren. Faule Stellen, Schimmel und Co. haben bei der Tafel keine Chance. Hier wird sehr viel Wert auf einwandfreie Lebensmittel gelegt. Der gute Ruf kommt nicht von irgendwo her. Aber selbst beim aussortierten Gemüse und Obst wird darauf geachtet, ob es noch verwertbar ist. So wird diese Ware, sofern geeignet, an einen ortsansässigen Bauern geliefert, zur Verfütterung an die Schweine. Der Rest wird dann endgültig weggeworfen.

Erschreckend fand ich die große Menge an Verpackungsmüll: Plastiktüten, Folien, Schalen… MASSEN! Aber auch hier wird noch geschaut, ob noch etwas Brauchbares dabei ist (z.B. Plastikschalen). Diese wurden abgewaschen und zur Ablage von einwandfreier Ware für die Lebensmittelausgabe genutzt. Dennoch nahm der Berg an gefüllten Gelben Säcken stündlich zu.

Des Weiteren fand ich die Menge an Waren, egal ob Obst, Gemüse, Kühlwaren, Süßigkeiten etc. enorm, die in einwandfreiem Zustand zur Achimer Tafel geliefert wurden. Warum werden diese Mengen nicht in den Läden verkauft? Gründe hierfür sind: Verfallsdatum steht kurz bevor bzw. ist seit kurzem überschritten, Ware sieht für den Verkauf im Lebensmittelladen nicht mehr so ansprechend aus oder die Ware stammt einfach aus einer Überproduktion. In was für einer Luxuswelt leben wir doch!

Im Laufe des Vormittags wurden mehrere Lieferungen gebracht, die wir bis mittags sichten mussten. Hervorzuheben ist hier wieder die Organisation, um einen reibungslosen Ablauf zu gewährleisten. Jede Gemüse- und Obstart hat in der Halle der Achimer Tafel ihren Platz. Kühlwaren kommen unverzüglich ins Kühlhaus. Nichts liegt rum, Sauberkeit geht vor. Der Verbrauch an Einmalhandschuhen ist hoch.


Auch darf man hier nicht zimperlich oder empfindlich sein. Aufgrund der hohen Außentemperaturen verströmte ein Teil der Ware mittlerweile die unterschiedlichsten Gerüche, da sie schon faul oder gärend bei der Tafel ankamen. Trotz sofortiger Vernichtung, hingen diese Gerüche noch eine ganze Zeit in der Luft.

Nachmittags stand dann einer der zweimal wöchentlich stattfindenden Lebensmittelausgaben an. Auch hier wusste jeder Helfer/jede Helferin, was zu tun war. Ich war gespannt auf die Menschen, die diesen Nachmittag kommen würden. Im Durchschnitt, berichtete mir Lisa, besuchen ca. 65 Personen pro Lebensmittelausgabe die Tafel. Es können aber auch schon über 70 Personen werden.


Hier werden keine Unterschiede nach Nationalitäten, Alter, Größe der Familie gemacht. Jeder Mensch, der zur Tafel kommt, braucht Hilfe und die kriegt er. Fast ausnahmslos wurde mir von den Besuchern Dankbarkeit entgegengebracht. Bei sprachlichen Barrieren wurde auch schon mal mit Händen erklärt, was immer wieder zu Lachern führte.


Nach Schließung der Halle wurde noch die Ware zusammen- bzw. weggeräumt, die Halle ausgefegt und schon war der erste Tag meines Blickwechsels vorbei.

Bei meiner Ankunft am zweiten Tag war bereits eine Mannschaft an Helferinnen dabei, die Ware vom Vortag noch einmal durchzusehen und entsprechend auszusortieren, bevor die nächsten Lieferungen ankamen. Bis zum Mittag gab es noch reichlich zu tun. Zusätzlich wurde noch ein Transporter für eine der zwei Nebenstellen der Achimer Tafel gepackt. Gegen frühen Nachmittag war die Arbeit für den Tag geschafft.

Nach Beendigung des 2. Tages kann ich immer nur wieder betonen, wie gut es einem doch selber geht. Von Lisa wurde mehrmals erwähnt, dass auf jeden Fall diejenigen Menschen an die Achimer Tafel geführt werden sollen, die die Möglichkeit hätten, für kleines Geld hier einzukaufen, sich aber aus Scham oder sonstigen Gründen nicht trauen. Hierfür gibt es keinen Grund. Jeder wird freundlich empfangen. Eine anfängliche Scheu bei den Besuchern ist schnell überwunden und das Team der Tafel hilft gerne und kompetent.

Ganz herzlichen Dank an Lisa und ihr Team, die ich 2 Tage bei ihren Aufgaben begleiten durfte.