Maria Bellmann

Drei Tage im Kinderheim Beeke-Haus gGmbH in Scheeßel

Aufgrund unseres 125-jährigen Jubiläums hatte ich das Glück, dass ich an der Aktion „Blickwechsel“ teilnehmen durfte. Dies bot mir die tolle Gelegenheit, an drei Tagen hinter die Kulissen des Kinder- und Jugendheimes in Scheeßel zu blicken.

1. Tag
An meinem ersten Tag durfte ich um 12 Uhr beginnen. Dies ist eine ungewöhnliche Zeit für mich, da ich sonst immer vor 8 Uhr mit meiner Arbeit starte. So hatte ich den Vormittag frei und konnte mir ein paar Gedanken zu den vor mir liegenden Tagen machen. Doch was genau würde mich nun erwarten? Mit wem würde ich es zu tun haben? Machte es Sinn, mir im Vorwege schon etwas auszumalen? Das waren unter anderem die Fragen, die mir durch den Kopf gingen. Ich entschied mich jedoch dafür, unvoreingenommen in die nächsten Tage zu starten.
So machte ich mich gegen 11:30 Uhr etwas nervös auf den Weg, um pünktlich vor Ort zu sein.
Als ich aus dem Auto stieg, lag vor mir ein schönes Haus, das so gar nicht nach einem Kinderheim, wie ich es mir vorstellte, aussah. Die Wohnanlage war umgeben von einem tollen Garten.

Zu Beginn machten wir einen Rundgang durch das Gebäude, auf dem mir die Kinder und Jugendlichen vorgestellt und das Konzept des Heimes erklärt wurden. Das Haus ist in zwei Komplexe aufgeteilt, die eigenständige Eingänge haben. In der WG 1 wohnen die Jungs im Alter zwischen 10 und 15 Jahren. Hier wird gemeinsam gekocht, Hausaufgaben gemacht und die Freizeit zusammen gestaltet. Ab 16 können die Jungen dann in die WG 2 - sofern dort ein Platz frei ist. Dort lernen die jungen Männer, auf eigenen Beinen zu stehen. Sie versorgen sich selber mit Essen und gestalten ihre Freizeit meist auch alleine. Trotzdem haben sie immer die Möglichkeit auf die Angestellten zuzugehen und werden weiterhin aktiv betreut. Das Konzept der beiden Wohneinheiten finde ich sehr gut, weil dadurch die Selbstständigkeit der jungen Menschen für die Zukunft gefördert wird. Aktuell sind insgesamt 11 junge Männer im Beeke-Haus.
Während des Rundganges machte ich die Bekanntschaft vieler junger Leute, die zum Großteil aus anderen Ländern kommen. So stellte sich direkt zu Beginn heraus, dass ich die drei Tage auch mit Flüchtlingen gestalten durfte.
Nach diesen ersten Eindrücken, konnte ich sofort mit anpacken und beim Zubereiten des Mittagessens helfen. Es sollte einen Kartoffel-Hack-Auflauf geben. Wir tauschten die eine oder andere Idee zur Zubereitung aus und kamen schnell miteinander ins Gespräch. So wurde mir erklärt, dass das Hackfleisch „halal“* ist und auch lediglich halal* gekocht wird. In diesem Moment war für mich klar, dass ich mich abends einmal mit dem Thema auseinandersetzen wollte, um ein paar Hintergründe zu erfahren. Während der Auflauf im Ofen brutzelte, spielten die Jungs ein bisschen am Tischkicker und auch ich hatte Gelegenheit meine „Künste“ im Kickern zu zeigen.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen räumten wir alle zusammen auf und ich hatte anschließend Zeit mit zwei französischsprachigen Flüchtlingen deutsch zu lernen. Dort fand mein Schulfranzösisch Anwendung und ich konnte es etwas aufbessern. Das war eine tolle Erfahrung und machte Spaß.
Danach sind die meisten ins Freibad gefahren und ich hatte etwas Zeit mit den Angestellten ins Gespräch zu kommen und konnte so auch die Hintergründe erfahren, die zu ihrer Berufswahl führten. Es war ein interessanter Austausch.
Am späten Nachmittag gingen wir einkaufen, haben das Essen vorbereitet und gemeinsam Abendbrot gegessen. Für mich war anschließend Feierabend, während die Bewohner noch ihren täglichen Aufgaben, wie z.B. Putzen, Saugen und Wischen nachgingen.

Es war ein toller erster Tag und ich freute mich abends bereits auf den nächsten.

2. Tag
Wie am ersten Tag begann dieser um 12 Uhr mit der Vorbereitung des Mittagessens - dieses Mal gab es eine leckere Gemüse-Reis-Pfanne. Es folgte gemeinsames Aufräumen, dann noch ein paar Vokabeln gepaukt, etwas an der jeweiligen Aussprache gefeilt und anschließend den nächsten Tag besprochen, für den bereits seit längerem eine Ausfahrt nach Hamburg geplant war. Wir machten uns darüber Gedanken, was man unternehmen könnte und welchen Proviant wir mitnehmen wollten. Dazu überlegten wir uns folgendes: Obst, Pizza-Schnecken, einen Kuchen und etwas zu trinken. Daraufhin haben wir uns auf den Weg gemacht und für den Ausflug eingekauft. Im Anschluss bereiteten wir die Pizza-Schnecken vor und im Nu war es schon wieder Zeit für das gemeinsame Abendessen. Wir probierten ein paar leckere Pizza-Schnecken, unterhielten uns noch ein wenig und verabschiedeten uns voneinander.

Heute verschob sich der Feierabend zeitlich etwas nach hinten, denn der geplante Zitronenkuchen musste noch gebacken werden.


3. Tag

An meinem dritten und letzten Tag begann ich um 9:45 Uhr. Wir trafen die letzten Vorbereitungen für die Ausfahrt und fuhren anschließend mit dem VW Bus zu sechst nach Hamburg. In Finkenwerder angekommen mussten wir uns vorerst auf die Suche nach einem Parkplatz machen. Das dauerte länger als gedacht. Mit Sack und Pack eilten wir zum Anleger, denn wir mussten die nächste Fähre für die kleine „Hafenrundfahrt“ noch erwischen. An den Landungsbrücken angekommen, machten wir uns auf den Weg zur Elbphilharmonie und holten uns dort Tickets für den Nachmittag. Danach breiteten wir unsere Picknickdecke an der Elbe aus und verzehrten unsere mitgebrachten Snacks. Zu meiner Freude kam der Kuchen bei den Jungs gut an.
Gestärkt machten wir uns auf den Weg zur „Elphi“ und genossen auf der Aussichtsplattform einen wunderbaren Ausblick über den Hamburger Hafen und die Stadt. Es wurden viele Fotos gemacht, um diesen Ausflug in guter Erinnerung zu erhalten. Nun hatten wir noch Zeit, um durch den alten Elbtunnel auf die andere Seite der Elbe zu gelangen. Durch das ein oder andere Echo war es teilweise sehr laut. Auf der anderen Seite angekommen, konnten wir die Sonne genießen und die Jungs aßen noch die „Überbleibsel“ von unserem Mittagessen.
Viel zu schnell verging die Zeit und wir mussten uns wieder auf den Rückweg nach Hause machen. Gut gelaunt, begleitet von tollen Musikwünschen, machten wir uns auf den Rückweg.

In Scheeßel angekommen, empfing uns Herr Precht (Leitung vom Kinderheim) und wir führten noch ein kleines Abschlussgespräch, in dem ich ihm meine Unterstützung für die Zukunft anbot, falls mal „Not am Mann“ ist.

Rückblickend kann ich sagen, dass es eine tolle Erfahrung war und ich dort super empfangen und aufgenommen wurde. Zufrieden, mit vielen neuen Eindrücken und schönen Erinnerungen an interessante Begegnungen - fernab meiner bekannten Arbeitswelt - bin ich nun an meinen Arbeitsplatz zurückgekehrt. Vielen Dank für meinen Blickwechsel an alle Beteiligten!!