"Merkel geht - Die Wahl kommt - Auf was müssen sich Anleger einstellen?"

 

Dieses Thema stand bei unserer Kundenveranstaltung im Garten des Rotenburger Wachtelhofs im Fokus. Vorstand Stefan Hunsche begrüßte als Sprecher Peter Untersteller, Senior Portfolio Manager der DZ PRIVATBANK.

Untersteller präsentierte mit anschaulichen Grafiken die neuesten Umfrageergebnisse zur Bundestagswahl. Erste Erkenntnis des Abends war, dass die FDP wohl zum Königsmacher wird. Ohne die FDP kommt derzeit keine Koalition zustande. Auch wenn rechnerisch drei Koalitionen möglich sind, betonte der Sprecher, dass möglich nicht wahrscheinlich bedeutet. Basierend auf den Wahlprogrammen und der Frage, wie schwierig Koalitionsverhandlungen sein werden, hält die DZ PRIVATBANK eine um die FDP erweiterte große Koalition für eher unwahrscheinlich. Je nachdem, ob die SPD oder die CDU mehr Stimmen erhalten werden, kristallisieren sich eine Jamaika- oder Ampel-Koalition heraus.

 

Die zweite Feststellung des Abends war, dass die Auswirkungen der Wahl auf den Kapitalmarkt sehr gering sind. Untersteller sagte, dass sich der DAX wenig dafür interessiert, wer in Deutschland regiert. Seine Aussage untermauerte er mit beeindruckenden Zahlen zu den Auslandsumsätzen der DAX-Konzerne, die bei vielen Unternehmen über 80 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Für Anleger könnte jedoch die Ampel-Koalition eine potenziell höhere Steuerbelastung bedeuten. Sowohl die SPD als auch die Grünen fordern die Wiedereinführung der Vermögensteuer. Angesichts von Negativzinsen, Verwahrentgelten und selbst negativer Renditen bei zehnjährigen Bundesanleihen kommt also der Frage nach der zukünftigen Zinsentwicklung eine größere Bedeutung zu als der Bundestagswahl. Untersteller lenkte den Blick der Gäste daher auf das am Folgetag stattfindende Treffen der internationalen Zentralbanker in Jackson Hole. Angesichts der guten Konjunktur und der anziehenden Inflationsraten ging er davon aus, dass der US-Notenbankchef Jerome Powell eine Rückführung der sehr expansiven Geldpolitik vorsichtig ankündigen wird, aber es zu keinen Leitzinserhöhungen kommen sollte. Seine Prognose stellte sich als richtig heraus. Die aktuell stark steigenden Inflationsdaten werden sich nach Meinung der DZ PRIVATBANK im nächsten Jahr wieder zurückbilden und stellen damit nur ein temporäres Phänomen dar.

 

Abschließend präsentierte Untersteller, wie die DZ PRIVATBANK das Vermögen ihrer Kunden investiert. Anleihen werden weiterhin gering gewichtet, während Aktien in Höhe der langfristig angestrebten Quote im Portfolio enthalten sind. Als Beimischung dienen u.a. Edelmetalle. Regional, und hier spannte Untersteller wieder den Bogen zur Bundestagswahl, finden sich in den Portfolios der DZ PRIVATBANK aktuell mehr US-amerikanische Aktien als europäische Dividendenwerte. Im Gegensatz zu vielen Kundenportfolios liegt die Quote deutscher Aktien bei nur neun Prozent. Sein Vortrag endete mit dem Aufruf, global zu investieren und die Portfolios regelmäßig zu überprüfen.

 

Der Abend klang im Park des Wachtelhofs mit Flying Buffet und anregenden Gesprächen in kleinen Runden aus.